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Ein Gastbeitrag von Philipp Hell


Schon vor mehreren Wochen hatte sich der ehemalige Star der fünften Wasserburger Mannschaft, Philipp Hell, bei Wasserburgs Abteilungsleiter „Reiti“ gemeldet: Die Mühldorfer würden gerne mal wieder den legendären Inder in Wasserburg besuchen und zur Not würde man davor auch noch ein Tischtennis-Freundschaftsspiel austragen. Gesagt, getan! Beide Kapitäne trommelten eine schlagkräftige Sechser-Mannschaft zusammen, denn natürlich ging es nicht um TTR-Punkte, stattdessen aber: ums Prestige.

Am vergangenen Freitag startete dann der Mühldorfer Party-Bus, der kurzfristig noch einen verletzungsbedingten Ausfall kompensieren musste, hochmotiviert („Ich nehme ‚Chicken Tikka‘, das ist klar!“) in Richtung der angeblich nördlichsten Stadt Italiens. Die Wasserburger hatten als gute Gastgeber natürlich einen Kasten Kaltgetränke vorbereitet. Da jedoch Radler und Limo umgehend aus waren, hatten die Gäste bei Spielbeginn teilweise bereits einen sitzen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Trotz angenehmer Temperaturen im Freien herrschte in der Mittelschul-Turnhalle drückende Schwüle. Umso verwunderlicher, dass mehr als die Hälfte aller Matches an diesem Abend bis in den Entscheidungssatz gingen. Bereits die beiden Einser-Doppel konnten erst im fünften Durchgang ihren Sieg eintüten. Anschließend baute Wasserburg seine Führung schnell auf 5:1 aus, bevor der an diesem Tag sicherlich am höchsten motivierte Hell mit Helge Wilker einen seiner Angstgegner aus Jugendtagen (gefühlte Bilanz: 0:23) niederringen konnte.

Auch Wasserburgs Urgestein und Maskottchen „Fee“ hatte sich inzwischen auf den Zuschauerbänken eingefunden. Angeblich spielte er auf gar keinen Fall deshalb nicht, weil er bereits – wie ungenannte Quellen munkelten – am Abend davor im „Queens“ stark performt hatte, sondern weil er ungenannten „Jüngeren“ den Vortritt lassen wollte.

Auf Mühldorfer Seite steuerte der starke Gerber im hinteren Paarkreuz zwei Punkte bei, unter anderem gegen Daniel Weinbeck. Mit diesem hatte Hell vor 30 Jahren bereits zahllose Rundläufe im Pausenhof, gähnend langweilige Religions-Stunden, Spezial-Trainings mit Peter Haas und Nicht-Trainings mit Matthias Oesterheld, endlose Runden im „Pfarrer-Bauer-Pokal“ sowie Duelle mit dem eigenen Mathe-Lehrer in Eiselfing und mit Noppen-Klaus vom FC Halfing überlebt. Kein Wunder also, dass Weinbeck extra seinen Urlaub so gelegt hatte, dass er heute an der Platte stehen konnte.

Kurz vor Ende der Partie schienen die Mühldorfer sich noch ins Schlussdoppel retten zu können, also sich im Spiel der beiden Einser der Mühldorfer Röckenschuß gegen Reiti durchsetzen konnte. Die Zuschauer auf beiden Seiten freuten sich dabei gemeinsam, dass ihre Spitzen-Spieler endlich mal selbst gegen jemanden antreten mussten, der einen ständig blöd von ganz weit hinten hoch und mit viel Seit-Spin anlullert.

Doch die nächsten zwei Punkte gingen an die Hausherren und damit stand der durchaus verdiente 9:6-Sieg fest. Statt ins Schlussdoppel ging es umgehend unter die erlösende Dusche und dann endlich dorthin, wo die Gäste hauptsächlich hinwollten: zum Jujhar. Auf ein langersehntes „Chicken Tikka“, ein vegetarisches „Chicken Tikka“ sowie eine Pizza „Regina“ – was man beim Inder halt so bestellt. So konnte der Abend genauso harmonisch und gemütlich ausklingen, wie er die ganze Zeit über bereits gewesen war. Mit Geschichten von früher und ganz früher – als alle Anwesenden noch deutlich mehr Haare auf dem Kopf aber weniger Pfunde auf den Hüften hatten.